Ein interessanter Vergleich

Es ist schon erstaunlich, wie unterschiedlich die Betrachtungsweise aktueller politischer Vorgänge sein kann, je nachdem ob die Systempresse drüber berichtet, oder eine Zeitung, die den Journalismus noch ernst nimmt und nicht bloß Hofberichterstattung betreibt. Wir wollen Ihnen das mal vor Augen führen anhand zweier Artikel über den US – Präsidenten Donald Trump. Der eine ist in der Jungen Freiheit erschienen, der andere im Straubinger Tagblatt. Beide am 4.11.2017.

Bilden Sie sich selbst ein Urteil!

Der Gottseibeiuns der Eliten – Junge Freiheit vom 4.11.17

Ein Jahr Donald Trump, und die Welt ist immer noch nicht untergegangen, die US-Wirtschaft ist nicht zusammengekracht, der Dritte Weltkrieg noch nicht ausgebrochen. Nur Hillary Clinton und ihr trans­atlantischer Fanclub hadern immer noch mit den vermeintlich finsteren und unbegreiflichen Mächten, die die demokratische Linke um den sicher geglaubten Wahlsieg gebracht haben, der ihr doch natur- und schicksalhaft zuzustehen schien.

Mit der Entdämonisierung des 45. Präsidenten tun sich nicht nur US-Liberale schwer – „liberal“ steht im Amerikanischen für „links“ –, sondern auch die Mehrheit der deutschen Medien. Die Hoffnungen, der Außenseiter mit dem hemdsärmeligen Gestus und der mitunter rüpelhaften Rhetorik werde bald genug an den institutionellen Widerständen im Machtapparat und der eigenen Partei scheitern, haben sich nicht erfüllt, so eifrig man auch jeden kritischen Ton eines Hinterbänklers und selbst den Tadel des retirierten früheren Gottseibeiuns George W. Bush breittreten und alberne Ferndiagnosen von einigen Dutzend Psychiatern als Bestätigung liebgewordener Vorurteile bejubeln mag.

Tatsächlich hat Donald Trump seine Machtposition gefestigt, seit er im Januar ins Weiße Haus eingezogen ist. An der Parteibasis ist seine Beliebtheit ungebrochen und nimmt sogar zu. Für Trump ist das, anders als die wechselnden Popularitätswerte in landesweiten Umfragen, die entscheidende Marke. Auch die harsche Kritik, die zuletzt die Senatoren Jeff Flake und Bob Corker äußerten, war nicht das Fanal zum Aufstand, sondern der Abgesang von Gescheiterten, die wegen Aussichtslosigkeit nicht zur Wiederwahl antreten.

Trumps innenpolitische Bilanz ist nicht durchweg negativ

Trump-Kandidaten waren bei den Wahlgängen dieses Jahres für die Republikaner erfolgreich. „Breitbart“-Chef Steve Bannon hat daran publizistisch emsig mitgewirkt; daß Trump ihn als Chefberater aus dem Weißen Haus feuern mußte, ist im nachhinein durchaus keine Niederlage. „Trump hat die Partei übernommen“, räumt selbst Spiegel Online zähneknirschend ein.

Innenpolitisch ist Trumps Bilanz nicht so negativ wie meist hingestellt. Sein Projekt einer großen Steuerreform kommt voran und hält die eigene Partei zusammen; bei der Korrektur der Obama-Gesundheitsreform stellt Trump per Dekret immerhin Mißstände ab. Trumps Maßnahmen gegen illegale Einwanderung und Einreisen aus terrorgefährlichen, meist muslimischen Ländern wirken, trotz erbitterter Widerstände, bereits durch die ausgesandten Signale und konsequenteres Vorgehen der Behörden. Mit seiner Kriegserklärung an Drogen und Medikamentenmißbrauch hat der 71jährige einen weiteren scharfen innenpolitischen Akzent gesetzt.

Die Wirtschafts- und Arbeitsmarktdaten weisen, anders als von Schwarzsehern prophezeit, deutlich nach oben. Dabei greift sowohl der Abbau von administrativen Hindernissen und Überregulierungen, den Trumps Minister beharrlich vorantreiben, während er das öffentliche Feuer auf sich zieht, als auch die Abkehr von der ideologischen „Klimaschutz“-Politik seines Vorgängers, die mit der von Trump in Gang gesetzten „fossilen Energiewende“ faktisch beerdigt wird. Auf der Risikoseite steht die Gefahr, durch eine zu forsche Banken-Deregulierung eine neue Finanzkrise heraufzubeschwören.

Politisches Klima in den USA wandelt sich

Auch das politische Klima in den USA hat die Präsidentschaft Donald Trumps bereits verändert. Sein Kommunikationsstil, der auf eigene Kanäle und soziale Netzwerke setzt, drängt den Einfluß der linksliberalen Mainstream-Medien zurück. Deren Lobby-Kartelle hat er durch seine kritischen Stellungnahmen zum linken Meinungs- und Straßenterror direkt herausgefordert.

Trump wolle die USA „wie ein Unternehmen“ führen, wird gern mit mehr oder weniger kritischem Unterton angemerkt. Zutreffend ist das auf die pragmatische und unideologische Art des Präsidenten, politische Herausforderungen von Einwanderung über Handels- bis zur globalen Sicherheitspolitik unter dem Blickpunkt des ökonomischen Nutzens und der Vorteilswahrung für das eigene Land anzugehen, die hinter den oft schrillen und bisweilen schlicht grotesken Einlassungen des Präsidenten gern übersehen wird. Ob Protektionismus den USA unterm Strich eher nutzt oder schadet, sei dahingestellt; für die faktische Entsorgung des transatlantischen Freihandelsabkommens TTIP müßten Trump gerade seine linken Kritiker dankbar sein.

Einfluß von „Neocon“-Beratern wächst

„Unternehmerisch“ wirkt auch die Fähigkeit Trumps, Aussagen und Entscheidungen rasch zu korrigieren und an veränderte Lagen anzupassen. Das geht freilich, wie auch das dadurch in Gang gesetzte beispiellose Personalkarussell, bisweilen zu Lasten der politischen Konsistenz. Gegenüber Moskau hat Trump, getrieben vom über den Wahlkampf hinaus verlängerten Phantom russischer „Wahlmanipulationen“, bis heute keine stringente Linie gefunden. Das steht – ebenso wie der zuletzt unter steigendem Einfluß von „Neocon“-Beratern verstärkte Konfrontationskurs mit Iran – auch einer stabilisierenden Lösung des in Irak und Syrien angerichteten Chaos entgegen, nachdem zunächst in stillschweigendem amerikanisch-russischem Einvernehmen die Zurückdrängung des „Islamischen Staates“ durchaus gelungen ist.

Daß die Trump-Regierung gegenüber dem Iran den Ton verschärft und die Rußland-Sanktionen weiter vorantreibt, läuft deutschen und europäischen Interessen zuwider, während es der amerikanischen Wirtschaft nutzt oder jedenfalls nicht wehtut. Das ist nichts Ungewohntes; neu ist, daß die messianischen Begründungen in den Hintergrund treten. In seiner Rede vor den Vereinten Nationen im September entwarf Trump das Bild einer Gemeinschaft souveräner Nationen, die ihre eigenen Interessen wahren und die der anderen respektieren. Statt nörgelnd in der Ecke zu stehen, sollten Deutsche und Europäer diese Ansage beim Wort nehmen.

JF 45/17


Der skrupellose Präsident – Straubinger Tagblatt vom 04.11.2017

Donald Trump hat wieder einmal bewiesen, wie wenig er zum Anführer taugt. Denn ein solcher würde nach einem so schrecklichen Ereignis wie dem Terroranschlag in Manhattan mit Trauer um die Opfer und Empathie für die Angehörigen reagieren. Damit jedoch hielt sich der US-Präsident nicht lange auf, bis er sich daran machte, Kapital aus dem grauenvollen Verbrechen zu schlagen. Seine Attacke auf die Unabhängigkeit der Justiz ist ein Sündenfall und erinnert fatal an die Eskapaden des Türken Recep Tayyip Erdogan, der den Richtern gern öffentlich den Wegvorgibt. Ohne Skrupel und ohne jedes demokratische Feingefühl hat er die Todesstrafe für den Attentäter von New York gefordert und wieder einmal Stimmung gegen Einwanderer gemacht. Zugleich hat er das amerikanische Justizsystem im Beisein des zuständigen Ministers Jeff Sessions als „Witz“ bezeichnet. Er, der praktisch nichts auf die Reihe bekommt, und der allen Grund hat, sich – Stichwort Russland-Affäre – vor dieser Justiz zu fürchten, versucht, ihren Ruf zu ramponieren und Zweifel zu sähen. Das ist egoistisch und verantwortungslos. Der Präsident hat außerdem wieder einmal gezeigt, dass er mit unterschiedlichem Maß misst. Nachdem ein Neonazi in Charlottesville in eine Gruppe linker Demonstranten gerast war, eierte Trump herum. Nach dem Massaker in Las Vegas mahnte er zur Zurückhaltung, bevor die Fakten klar seien. Und nun? Schon kurz nach der Attacke feuerte er seine   Twitter-Kanone ab. Brachte ins Spiel, den Attentäter in Guantanamo einzusperren. Während die New Yorker bewundernswert zusammenstanden, hat Trump seinem zweifelhaften Ruf mal wieder alle „Ehre“ gemacht.

Straubinger Tagblatt; Autor Martin Färber

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3 Gedanken zu „Ein interessanter Vergleich

  1. “Es ist schon erstaunlich, wie unterschiedlich die Betrachtungsweise aktueller politischer Vorgänge sein kann…”
    …insbesondere wenn nur einer der Artikel sich auf einen aktuellen Vorgang bezieht (und nur auf diesen) während der andere darauf abzielt, sich für ein US-Besuchervisum “schön zu schreiben” (ich hätte auch andere Vergleiche heranziehen können, die eher verständlich sind…).
    Die USA sind, in der Vision von Trump, unser Gegner (um nicht Feind zu sagen) und wer sich die Vision von Trump zueigen macht, sollte dies “hinter den oft schrillen und bisweilen schlicht grotesken Einlassungen des Präsidenten”nicht übersehen und daran denken, dass man in gebückter Stellung zahlreichen (und insbesondere einem bestimmten) Angriff relativ schutzlos ausgesetzt ist… und wir sollten daran denken, dass “es zweifelhaft ist, dass wer gerade noch hingehalten hat, sich dann [für uns] gerade machen kann”…

    “…im September entwarf Trump das Bild einer Gemeinschaft souveräner Nationen, die ihre eigenen Interessen wahren und die der anderen respektieren.”
    Das wäre eine vollkommen neue Politik der USA und sofort von allen zu unterschreiben… nur leider schafft D.Trump dies ja nicht einmal privat (die Interessen anderer zu respektieren)…

  2. Ich möchte noch schnell etwas anhängen…

    Die Deutsche Fahne mit der Banane, die über einem (oder mehreren anderen Artikeln) hier prangt, wäre unter D. Trump Grund für die sofortige Schließung dieser Website und Verhaftung (vorzugsweise mit One-Way-Urlaubstrip in die Karibik) der Verantwortlichen…

  3. Journalismus für Anfänger:
    Bei den beiden Texten handelt es sich um keine Artikel, in denen etwas BERICHTET würde. Es sind schlicht Kommentare. Kommentare äußern eine MEINUNG. Und die Meinungen sind bekanntlich verschieden. Mit „Systempresse“ (Übrigens eine ziemlich nazianrüchige Vokabel!) hat das rein gar nichts zu tun. Warum sollte der Kommentator im Straubinger Tagblatt derselben MEINUNG sein wie der in der Jungen Freiheit und umgekehrt? Schließlich haben wir Meinungsfreiheit und kein über die Korrektheit von MEINUNGEN entscheidendes AfD-Wahrheitsministerium. Wenn jemand eine andere Meinung vertritt als ich das tue, dann LÜGT er deshalb nicht, auch wenn ich die andere Meinung für Stuss halte. Ich halte in der Tat, wie wohl die Mehrzahl der Deutschen – darunter vermutlich auch so mancher AfD-Wähler -, das Loblied auf Trump für Stuss und erlaube mir dieselbe Wertung auch für so manchen Kommentar im Straubinger Tagblatt. Nur ist das halt meine MEINUNG und es ist schlicht abwegig, deshalb einen Kommentator der LÜGE zu bezichtigen.
    [Der Kommentar im Straubinger Tagblatt erschien übrigens am 3.11., nicht am 4..]

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