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Schreiben oder nicht schreiben? Ein Kommentar von Wochenblatt-Redaktionsleiter Mike Schmitzer

Darf man das? Darf man über eine Flüchtlingsfamilie schreiben, die vor der Burghauser Jugendherberge einen Sitzstreik durchführt, weil ihr die Unterbringung nicht passt?

Darf man schreiben, dass es sich bei dem mutmaßlichen Vergewaltiger einer jungen Mühldorferin um einen Asylbewerber handelt?

Meine Antwort dazu: „Man darf nicht nur, man muss es schreiben. Sauber recherchiert, ohne zu übertreiben, aber auch ohne zu verniedlichen.“

Es ist leider Realität heute in Deutschland, dass immer mehr Menschen den Medien misstrauen – auch den Medien vor Ort – weil sie das Gefühl haben, beim Thema Asyl nicht mehr vollständig und wahrheitsgemäß informiert zu werden. Die Folge ist, dass sich diese Bürger den rechtsgerichteten Informationsquellen zuwenden, die im Internet und in sozialen Netzwerken wie Pilze aus dem Boden schießen.
Für mich besteht die Aufgabe eines Journalisten darin, den Lesern die Fakten zu liefern, auf deren Basis diese sich dann ihre eigene Meinung bilden können. Ich sehe es hingegen nicht als die Aufgabe eines Journalisten an, den Lesern gewisse unangenehme Sachverhalte zu verheimlichen, weil diese vielleicht die momentane Stimmung noch verschlechtern könnten.
Wir würden als Redakteure auf einem sehr hohen Ross sitzen, wollten wir uns erlauben, für die Leser zu entscheiden, welche Fakten gut für sie sind und welche nicht.
Diese Selbstzensur wird aber immer wieder von uns gefordert, wenn es um das Thema „Asylbewerber“ geht.***
Das Wochenblatt wird sich in der Asylkrise so verhalten, wie Sie es von uns gewohnt sind. Wir werden weiterhin positive Berichte zum Thema Asyl veröffentlichen, beispielsweise über Bürgerinitiativen, die ihre Freizeit dafür opfern, den Flüchtlingen zu helfen. Ebenso werden wir aber auch weiterhin über die Schattenseiten berichten, die diese Krise mit sich bringt.
Uns ist wichtig, dass Sie, liebe Leser, den Glauben an uns und unsere Offenheit behalten. Dafür stellen wir uns auch gerne der Kritik.

Nehmen Sie das als Versprechen.
Mike Schmitzer

Zur Person: Mike Schmitzer, Jahrgang 1964, ist Redaktionsleiter bei der Wochenblatt-Verlagsgruppe und verantwortlich für die Lokalausgaben Altötting, Mühldorf und Chiemgau/BGL.
*** Edit

Nachdem ich mehrfach gebeten wurde, näher darauf einzugehen, von wem die Zensur gefordert wird: Es sind in erster Linie engagierte Leser, die in Kommentaren (zB. bei facebook) oder per eMail kritisieren, der Verfasser des Artikels würde durch die Veröffentlichung die Stimmung gegen Asylbewerber nur anheizen. Die konkrete und teils sehr massiv formulierte Forderung ist, als “anständiger” und “verantwortungsvoller” Journalist solche Berichte zu unterlassen. Natürlich machen wir uns solche Gedanken auch selbst, aber letztlich ist die Eigenzensur keine Lösung.

Autor: Mike Schmitzer

<<<Hier geht es zu dem Artikel>>>

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5 Kommentare

  • Michael Hartlmüller

    Es ist schon verwunderlich, wie man diesem Wahnsinn in Deutschland immer noch was Gutes abgewinnen kann. Meines Erachtens wollte man mit dieser Darstellung die Herzen der Bürger erweichen und das ist mit Sicherheit gelungen. Trotzdem tragen diejenigen, die diese Menschen dazu bewogen haben zu kommen, die größere Schuld an dieser Tragödie.

  • Michael

    Lieber Herr Schmitzer,

    ich kann Ihnen nur zustimmen. So etwas zu lesen macht Mut. Unsere Demokratie kann nur funktionieren, wenn wir wissen was passiert. Das ist ganz einfach.

    Informiert man uns nicht, gerät hier etwas ins Ungleichgewicht und wir werden uns woanders informieren. Das ist auch ganz einfach. Irgendwer wird diese Funktion erfüllen, denn schließlich wollen wir wissen was uns umgibt und erwartet.

  • Jürgen

    Diese Situation erklärt auch, warum es ein GEZ zwangsfinanziertes Fernsehen und Rundfunk gibt. Denn aus eigenen verdienten Mitteln ließe sich so etwas gar nicht realisieren, weil ihnen die Kundschaft davon läuft.

  • Gerlach, J.

    Was wir hier erleben müssen ist ein alter Plan gewisser Herrschaften die das Geleitwort inne haben: Ordo ab Chao=Ordnung aus dem Chaos!
    Konflikt-Reaktion-Lösung, endet mit dem was man vor geplant hatte, um den Menschen ihren Weg vorzuweisen.
    Solange wir als Finanzangentur Gmbh immer noch nicht souverän sind (nach 70 Jahren) und dazu immer noch besetzt sind von über 70.000 Soldaten, wo der Steuerzahler auch noch die Kosten jener zu tragen hat inc. Besoldung und Unterkünfte etc., solange wird man dieses Land fluten um es auszutauschen.
    Diejenigen die nachkommen, haben keinen Bezug zu diesem Land, weil die Wurzeln fehlen und sie werden weniger Kritik üben gegenüber denen die schon an den Schnittstellen in Politik, Behörden und Wirtschaft sitzen.
    Somit erfüllt sich ein alter Traum einer Clique, die Ethik, Moral, Achtung vor der Schöpfung, den Menschen als gegenstandslos erachtet.
    Wir können all dieses sogar in alten Schriften lesen was auf uns zu kommen wird.
    Auch alle Toleranz-Romantiker werden eines Tages erwachen müssen und laut aufschreien-wir haben daß alles nicht gewußt!
    Also nocheinmal eine Runde drehen im Inkarnationsmodus wegen fahrlässiger Unterstützung und Beihilfe zum Völkermord! Gut gewollt-schlecht getan zeigte auf
    wie unreif diese Seelen waren.

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